Kennst Du dieses komische Gefühl?
Du erzählst einer Freundin, wie gut es Dir gerade geht. Du hast ein schönes Wochenende gehabt, ein Projekt läuft richtig gut, Du bist verliebt, Du hast endlich wieder Lust auf Dinge, Du freust Dich auf etwas.
Und dann erzählt sie Dir von ihren Problemen. Und plötzlich wird es Dir unangenehm, dass es Dir gut geht.
Vielleicht erzählst Du dann lieber auch noch von dem Stress im Job. Oder von der Pubertät Deiner Kinder. Oder von dem Ärger mit Deinem Mann. Irgendetwas wird sich schon finden lassen, damit der Abstand zwischen ihrem Leben und Deinem wieder ein bisschen kleiner wird.
Denn Du hast so ein diffuses Gefühl von: Es darf mir nicht besser gehen als den anderen.
Kennste oder? Das kennen nämlich viele – vor allem die Frauen. Aber warum ist das eigentlich so?
Wir glauben manchmal, dass es den anderen besser geht, wenn es uns schlechter geht
Das ist doch eigentlich ziemlich verrückt. Wenn jemand neben mir traurig ist, wird diese Person nicht glücklicher, nur weil ich jetzt auch traurig bin. Wenn eine Freundin gerade eine schwere Zeit hat, hilft es ihr nicht, wenn ich deshalb mein eigenes Glück verstecke.
Und trotzdem machen wir das.
Wir halten uns zurück. Wir erzählen die schönen Dinge nicht. Wir fühlen uns schuldig, wenn es uns gut geht, während es anderen schlecht geht.
Vielleicht sogar besonders dann, wenn wir wissen, dass es auf dieser Welt gerade wirklich genug gibt, worüber man sich Sorgen machen kann.
Krieg. Klima. politische Unsicherheit. Menschen, die ihre Heimat verlieren. Menschen, die krank sind. Menschen, die um ihre Existenz kämpfen.
Darf ich da wirklich von meinem Lieblingsleben sprechen?
Darf ich mich freuen? Darf ich mich fragen, was ich eigentlich will – wo es mir doch „eigentlich“ gut geht? Du weißt, die Kinder in Afrika… und so.
Ist mein Problem nicht ein Luxusproblem?
Kommt drauf an, würde ich sagen. Schliesslich reden wir jetzt hier auch nicht davon, Geld für Luxuskonsumgüter aus dem Fenster zu schmeissen – und selbst wenn, dann hat vielleicht die Markenhandtasche, die Du Dir gerade gekauft hast, eine ganz besondere Bedeutung für Dich. Aber das ist dann nochmal ein anderes Thema.
Also: Ich glaube, wir müssen hier etwas sehr Grundsätzliches auseinanderhalten. Mitgefühl und Mitleid sind nicht dasselbe.
Du bist nicht dafür verantwortlich, die Gefühle der anderen zu reparieren
Wir haben oft früh gelernt, die Stimmung um uns herum wahrzunehmen.
Vielleicht kennst Du solche Sätze aus Deiner Kindheit:
„Du bist immer so brav – nicht wie…“
„Mit Dir ist alles so unkompliziert.“
„Ich bin so froh, dass ich Dich habe.“
Das klingt erst einmal nach einem Kompliment. Und natürlich ist es schön, wenn ein Kind erlebt: Ich werde gesehen. Ich bin geliebt.
Aber wenn daraus irgendwann die Überzeugung wird: Ich bin liebenswert, wenn es den anderen mit mir gut geht, dann nehmen wir eine ziemlich schwere Aufgabe mit ins Erwachsenenleben. Dann wird aus Empathie schnell Verantwortung.
Jemandem geht es schlecht? Ich muss etwas tun.
Jemand ist enttäuscht? Ich muss es wieder gut machen.
Jemand ist unzufrieden? Ich muss mich verändern.
Jemand hat ein Problem? Ich sollte helfen.
Und wenn ich selbst gerade glücklich bin, während jemand anderes leidet, meldet sich dieses alte System: Das darfst Du doch nicht.
Doch.
Darfst Du.
Denn Du bist nicht verantwortlich für die Gefühle eines anderen erwachsenen Menschen.
Du darfst mitfühlen, Du darfst zuhören, Du darfst helfen, wenn Du helfen kannst und willst.
Aber Du musst nicht in das Gefühl des anderen hineinkippen.
Mitgefühl bedeutet: Ich sehe Dich und ich bleibe bei mir
Das ist für mich einer der wichtigsten Unterschiede überhaupt.
Mitleid sagt: Ich gehe mit Dir in Dein Leid.
Mitgefühl sagt dagegen: Ich sehe, dass Du leidest. Und ich bleibe trotzdem bei mir.
Denn wenn ich mit Dir untergehe, kann ich Dich nicht mehr halten. Wenn ich genauso erschöpft bin wie Du, genauso verzweifelt, genauso voller Angst, dann habe ich keine Kapazität mehr. Dann sind wir zwei Menschen mit einem Problem.
Wenn ich dagegen bei mir bleibe, kann ich da sein. Ich kann zuhören. Ich kann vielleicht eine Idee haben. Ich kann Dir eine Tür öffnen. Ich kann Dich in den Arm nehmen.
Und manchmal ist genau das schon unglaublich viel.
Erinnere Dich mal an einen Menschen in Deinem eigenen Leben: die Oma vielleicht, einen Nachbarn oder einen Lehrer, eine Mentorin. Jemand, bei dem Du Dich einfach wohlgefühlt hast, der nichts von Dir wollte, der Dich nicht ständig verbessern wollte. Der einfach da war und Dich gesehen hat, so, wie Du bist.
Erinnerst Du Dich noch an das warme Gefühl im Bauch?
Tatsächlich unterschätzen wir doch häufig, wie viel Kraft darin liegt, einfach nur da zu sein. Für jemanden da zu sein, ohne zwingend etwas zu TUN, ist ein Geschenk.
Dafür musst Du nicht die ganze Welt retten
Und hier wird es für mich gesellschaftlich interessant.
Wir haben so oft das Gefühl, dass wir nichts bewirken können.
Was soll ich denn schon beitragen?
Ich kann doch nicht den Krieg beenden.
Ich kann das Klima nicht retten.
Ich kann die politische Situation nicht verändern.
Ich kann die Probleme meiner Freunde nicht lösen.
Ich kann nicht alle Menschen glücklich machen.
Stimmt. Kannst Du nicht.
Aber daraus folgt nicht, dass Du nichts bewirken kannst. Du kannst zunächst einmal Verantwortung für Dein eigenes Leben übernehmen.
Du kannst darauf achten, dass es Dir gut geht.
Du kannst lernen, Deine eigenen Gefühle wahrzunehmen, statt ständig die Gefühle aller anderen zu auszugleichen.
Du kannst Dein Nervensystem nicht für die ganze Welt regulieren. Aber Du kannst auf Dich achtgeben: mental, physisch und ja, vielleicht auch materiell.
Nur dann hast Du nämlich überhaupt Kapazität.
Dann hast Du Energie für andere.
Für Deine Kinder, für Deinen Partner, Deine Freundinnen und Kollegen. Für eine Idee, die schon lange in Deinem Kopf herumspukt. Für ein Projekt. Für Engagement. Für Veränderung. Für ein Gespräch, das Du sonst vielleicht nicht geführt hättest.
Es ist nicht immer absehbar, welche Wirkung das entfaltet.
Das ist das Verrückte.
Wir sehen ja meistens gar nicht, was wir bei anderen auslösen. Vielleicht erinnerst Du Dich Jahre später an einen Satz, den jemand zu Dir gesagt hat. Für diese Person war es vielleicht nur ein ganz normaler Dienstag. Für Dich war es ein Wendepunkt.
Dein Lieblingsleben ist keine rosarote Pailletten-Bubble
Ich meine also mit Lieblingsleben nicht: Ich mache es mir schön, während draußen die Welt untergeht.
Lieblingsleben ist keine rosarote Pailletten-Bubble, in der ich alles andere ausblende. Es ist auch kein Privileg für Menschen, die genug Geld, Zeit und die perfekte Ausgangslage haben.
Ein Lieblingsleben bedeutet nicht, dass alles gut ist. Es bedeutet nicht, dass Du nie wieder Probleme hast. Es bedeutet, dass Du Dein Leben nicht einfach nur geschehen lässt.
Dass Du Dir selbst zuhörst. Dass Du Entscheidungen triffst. Dass Du Deine Werte kennst und vertrittst. Dass Du ausprobierst, was zu Dir passt, lernst und verwirfst und nochmal beginnst. Dass Du lernst, mit den STOP-Schildern des Lebens und dem Tohuwabohu von außen umzugehen. Und dass Du Dir nicht jedes Mal die Erlaubnis entziehst, glücklich zu sein, nur weil gerade jemand anderes unglücklich ist.
Das ist keine Egozentrik das ist Eigenverantwortung.
Und daraus kann Selbstwirksamkeit entstehen.
Was Du stattdessen für die Welt tun kannst
Es ist doch so, wenn wir an gesellschaftliche Veränderung denken, dann denken wir riesengroß. Wir denken in Revolutionen, in großen Projekten und politischen Entscheidungen. Oder wir denken Menschen, die etwas Außergewöhnliches getan haben.
Und dann ist es klar, dass es Dir popelig vorkommt, wenn Du einfach freundlich zur Nachbarin warst.
Ich bin der Meinung, dass wir erst unsere ICH-Schale gut auffüllen müssen, damit unsere Energie in die Wir-Schale überlaufen kann (lies dazu gerne auch diesen Artikel von mir). Es ist ein kleiner Sieg, wenn wir frank und frei sagen: „Ja. Mir geht es gut. Und ich freue mich darüber.“
Aus dieser Energie entsteht vielleicht ein Projekt oder eine neue Art zu arbeiten. Aus dieser Haltung heraus verändert sich vielleicht die Beziehung zu Deiner Mutter oder entsteht ein tolles Gespräch mit der Tochter. Wenn Du Kapazitäten frei hast, dann kannst Du auch neue Freundschaften schließen, neue Dinge lernen, Dich selbst bereichern im besten Sinne.
In jedem Falle bewirkt das Lieblingsleben eine Frau, die morgens anders aufsteht und stark und optimistisch durch ihren Alltag geht.
Dafür können wir uns entscheiden, nicht mehr mit Scham oder schlechtem Gewissen ein gutes Leben zu leben.
Wir verändern die Welt nicht dadurch, dass wir alle gleichzeitig erschöpft versuchen, sie zu retten. Wir verändern sie, indem wir lernen, unser eigenes Leben verantwortlich zu gestalten und aus dieser Kraft heraus Kreise zu ziehen. Für Dich. Für mich. Für uns.
Und genau darum geht es auch im Lieblingsleben-Design-Circle.
Nicht darum, zehn Wochen lang um den eigenen Bauchnabel zu kreisen und sich ein möglichst schönes Leben zusammenzuphantasieren. Sondern darum, Dir selbst wieder zuzuhören, herauszufinden, was für Dich wirklich zählt, Dein Leben danach zu gestalten und dabei eine Haltung zu entwickeln, die auch dann trägt, wenn das Leben eben nicht nach Plan läuft.
ICH → DU → WIR.
Du beginnst bei Dir. Nicht, weil Du der wichtigste Mensch auf der Welt bist, sondern weil Du nur von dort aus wirklich mit anderen in Verbindung gehen und etwas bewirken kannst.
10 Wochen, maximal 10 Frauen, jede Woche live. Kein Videokurs-Marathon, kein perfekter Lebensplan, sondern gemeinsames Denken, Ausprobieren, Aha-Momente und Rückenwind.
Für Dich. Für mich. Für uns.
Hier findest Du alle Infos zum Lieblingsleben-Design-Circle und kannst Deinen Platz sichern.
In diesem Sinne: lass es Dir gut gehen.