„Ich habe gar kein Netzwerk.“
„Ich kann nicht gut netzwerken.“
„Ich mag das nicht.“
Das sind Sätze, die ich oft höre und das von Frauen. Vielleicht kennst du das auch? Ich definitiv.
Als ich vor 11 Jahren mit Nina Binvel Consulting gestartet bin, war ich neu in der Region in Frankreich, zum ersten Mal selbstständig, Mutter von 2 Kleinkindern, konnte also auch nicht ständig an irgendwelchen „Breakfast Clubs“ oder Abendveranstaltungen zum Vernetzen teilnehmen. Das erste Netzwerk dem ich mich damals angeschlossen habe, waren die Mampreneurs, also Mütter, die gründen. Das entsprach einfach damals meiner Lebenssituation und meinem Ziel des Austausches und der Ermutigung unter Menschen, denen es ähnlich geht wie mir.
Nach einem Jahr habe ich mit zwei anderen Frauen ein lokales Netzwerk namens Femin’Alpes gegründet, welches nicht mehr nur auf Mütter zugeschnitten war sondern allgemein weibliche Unternehmerinnen ansprechen wollte. Dieses Netzwerk war eine supertolle Erfahrung, denn unter den Frauen herrschte von Anfang grosses gegenseitiges Wohlwollen und Solidarität. Vor allem aber eine Offenheit wie ich es bei gemischten Netzwerken selten erlebt habe. Ein Ort, an dem du auch mal ehrlich sagen kannst: „Ich kann nicht mehr. Ich komme nicht voran. Da ist was schief gelaufen.“ und Rückhalt findest bei Frauen, die genau wissen, wie es dir gerade geht. Wir haben uns im Austausch gegenseitig neue Kompetenzen vermittelt und sind gemeinsam gewachsen.
Dann wollte ich ja aber auch Kunden akquirieren, das war schon eine andere Sache. Ich habe vieles ausprobiert, Treffen der Handelskammer, das BNI (ein Netzwerk mit dem Prinzip der Weiterempfehlung), Business Clubs, die stinklangweilig waren und zum uninspiriertem Austausch von Visitenkarten führten aber selten zu wirklich interessanten Geschäftskontakten.
Ich fühlte mich bei diesen Events nicht wohl, ich hasse belanglosen Small Talk und Eigenwerbung im Giesskannenprinzip ist mir ein Gräuel. Viel Zeit zu investieren hatte ich ja auch nicht. Mir war klar, das muss also irgendwie anders gehen, denn mir war auch klar, Netzwerken ist unendlich wichtig.
Nicht nur für Selbständige sondern auch für Angestellte und ebenso für Mamas in Elternzeit.
Warum?
– du hast ein gewisses Sicherheitsnetz
– nach einer Weile kommen die Leute auf dich zu mit Ideen, Projekten, Kooperationen und Aufträgen, Stellenangeboten
– und es macht auch noch Spass, interessante neue Menschen kennenzulernen.
Wie geht das also, effizient netzwerken?
- Überlege dir erstmal, zu welchem Zweck du ein Netzwerk suchst!
Willst du Leads gewinnen, oder Kooperationspartner, suchst du Austausch, Inspiration und neue Impulse oder potenzielle Kunden, brauchst du ein Netzwerk in deiner Branche oder branchenübergreifend, soll es ein reines Frauennetzwerk sein?
2. Dann recherchiere, was es gibt. Durch die Digitalisierung ist es easy und lohnt sich, auch mal national und international schauen. Sei neugierig sein, schau‘ dir Expert Talks an. Eine Kombination aus Offline und Online ist ideal.
3. Erstelle dir eine Liste von Menschen, Unternehmen, die für dich als Kontakt interessant wären. Wer hat dieselbe Zielgruppe wie du? Welche Player gibt es in deiner Branche? Auch wenn die unter Umständen heute gefühlt noch eine Nummer zu gross für dich sind. Und dann überlege „wie komme ich an die heran“?
4. Meine Devise: erstmal geben. Vielleicht kannst du dein Wissen teilen, eine Idee beisteuern. Es geht mir um die innere Haltung. Zeig Interesse an deinem Gegenüber: Wie kann ich dich gerade unterstützen? Manchmal kennst du vielleicht auch Jemanden, dessen Kontakt für dein Gegenüber gerade nützlich sein kann, und wenn es dein bewährter Zahnarzt ist…
Höre aufmerksam zu, vielleicht stösst du ein paar Tage später auf einen Artikel, der die Netzwerker interessieren könnte. Dann kannst du als Follow-up schreiben, „neulich haben wir noch drüber gesprochen, schau hier mal rein.“ Das hat mehrere Effekte: du zeigst Präsenz, bringst dich in Erinnerung, wirst als inspirierend wahrgenommen und als Experte. Das ist eine relativ einfache Methode: braucht vielleicht etwas Übung, wenn du das noch nicht gemacht hast, ist aber sehr angenehm und wirksam.
In meinem Mentoring-Programm für die CHARME-Methode teile ich außerdem eine Profi-Methode, mit der sich Netzwerken nicht mehr anfühlt wie Bittsteller sondern mit der du dich auch noch als Fachfrau positioniert.
1000 Mal wirksamer als das Streuen von Visitenkarten. Aber es braucht Zeit. Vertrauen braucht Zeit.
5. Zeit ist das Stichwort, denn ich rate dir, eine feste Einheit an Zeit pro Woche festzulegen, die du ins Netzwerken investieren willst: zB. 2x pro Woche ein Mittagessen, eine Abendveranstaltung, 1h LinkedIn pro Woche.
Bei der Profi-Netzwerkerin Kathy Groh war ich übrigens neulich im Podcast zu Gast. Eines ihrer Bond & Beyond Events ist definitiv einen Besuch zum analogen Netzwerken wert!