Früher waren wir diese toughen Frauen, die sich alles angeeignet haben, um einen guten Job zu machen.
Und heute? Heute sind da Selbstzweifel.
– Kann ich meine Aufgaben und Tätigkeiten noch?
– Jünger bin ich auch nicht geworden; ob das mit dem Lernen des neuen Systems noch klappt?
– Kann ich konzentriert arbeiten, wenn ich mal wieder eine schlaflose Nacht mit meinem Kind hatte?
– Kann ich meine beruflichen Aufgaben überhaupt in Teilzeit schaffen?
– Ist Teilzeit wirklich fair meinen Kollegen gegenüber oder müssen sie dann meine Aufgaben übernehmen?
– Will ich überhaupt noch in den alten Job zurück? Der fühlt sich gar nicht mehr stimmig an.
(…)
Die Rückkehr in den Beruf ist oft schwerer als gedacht.
Je länger die Elternzeit war, desto größer sind oft die Selbstzweifel.
Vor der Schwangerschaft definieren wir uns viel über den Beruf. Dann verändert die Mutterschaft unser Selbstverständnis und unsere Lebenswerte.
Die Selbstzweifel grätschen ins Lebensglück hinein. „Okay, ich bin also eine glückliche Mama, aber die kompetente Frau von einst fühlt sich kacke an.“ (Pardon my french…)
Falls es dir noch niemand gesagt hat: Du bist nicht allein!
Du kannst nicht einfach locker-flockig aus der PeKip-Gruppe oder einer längeren Elternzeit zum „business as usual“ zurückkehren.
Was vordergründig wie ein Organisationsthema aussieht (wie viele Stunden, wer macht was …), ist in Wahrheit Persönlichkeitsentwicklung à la carte.
Wenn wir zurück in den Job gehen, müssen wir uns beruflich neu definieren. Nicht selten führen diese Jobüberlegungen zu einem Jobwechsel, einem Arbeitgeberwechsel oder, wie in meinem Fall, zum eigenen Business.
Ich habe mich bei der Jobsuche aus der Elternzeit mit jeder Absage gefühlt, als hätte ich meine Kompetenzen im Kreißsaal gelassen.
Das ist natürlich Quatsch. Kompetenzen verschwinden nicht einfach, nur weil sie einige Monate nicht abgerufen wurden. Aber gerade wir Mädels sind Experten darin, zu sehen, was wir alles nicht können, welche vermeintlichen Schwächen wir haben. (…)
Viele betrachten ihre Elternzeit als Knick im Lebenslauf oder als Pause. Dabei hast du gelebt. Du hast erlebt. Du hast so viel gelernt. Deine Persönlichkeit hat sich entwickelt.
Mutter zu werden ist ein Prozess, in dem wir uns neu kennenlernen.
Kinder zu haben und sie auf dieser Welt zu begleiten, ist kein „walk in the park“.
Kinder spiegeln uns, fordern uns und geben uns ungefragt Feedback. Die Schule des Lebens quasi, statt Leadership-Seminare.
Einige deiner Fähigkeiten haben in der Erziehungszeit deutlich zugenommen. Zum Beispiel Organisation, Multitasking, Geduld, Empathie, Verhandlungsgeschick – verkaufen, verkaufen, verkaufen, von der Karotte bis zum Abitur.
Oft haben wir nicht gelernt, mit diesen persönlichen Veränderungen umzugehen und mitzuwachsen.
Wir unterschätzen die Kraft und die Optionen, die entstehen, wenn wir uns bewusst selbst entwickeln.
(Auszug aus meinem 📔“ohlàlà statt solala„)